Keine Frage, Peter Klien verdient Respekt. Der grenzenlose Biss des ORF-Satirikers sorgte im Vorjahr sogar für internationale Schockwellen - nach einer Sendung über Ungarns Medien-Orbánisierung. Andererseits übertritt Kliens Beißlust mitunter auch die Geschmacksgrenzen. Wer mit dem ORF-Mikrofon in St. Pölten auf Pirsch geht und Ahnungslose mit der "Frage" überfällt, die nächste Landeshauptfrau sei "ein bissl ruppig, aber ein klasser Bursch, na?" (so geschehen 2017), agiert nach einem zweifelhaften Prinzip - dass Satire den persönlichen Untergriff rechtfertigt.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Nun betritt der Provokateur jedenfalls ungewohntes Terrain: Ab Mittwoch befasst er sich auf Ö1 (11.30 Uhr in "Des Cis" und ab 23.03 im "Zeit-Ton Magazin") wöchentlich mit "Neuer Musik" - also mit dem nicht gerade zugkräftigen, hochkomplexen Œuvre zeitgenössischer Komponisten. Eine unbotmäßige Sendung? Womöglich. Aber eine sinnvolle. Denn die Werke mit den meist sperrigen Beipacktexten würden sich durchaus eine flockigere Vermittlung verdienen. Und auf Ö1 beugt ein Ko-Moderator der Banalisierungsgefahr vor, erfährt man vorab: Während sich Peter Klien vom Klanggeschehen schon einmal an einen "Verkehrsunfall in einer Gänsefarm" erinnert fühlt, erläutert sein Bruder Volkmar Klien, hauptberuflich Komponist, Aufbau und Faktur. Ein Experiment mit offenem Ausgang, das jedenfalls schon mit einem frechen Teaser lockt: Welches Stück versieht Peter Klien mit dem Prädikat "Staubsauger kaputt"? Am Mittwoch weiß man mehr.