Natürlich waren jetzt eh alle dafür. Im Nachhinein für etwas gewesen zu sein, das schon eingetreten ist, gehört schließlich nicht zu den allerschwierigsten Aufgaben. Jetzt also der Entzug der Eishockey-WM-Spiele in Belarus. Kaum, dass der Weltverband IIHF seinen (längst überfälligen) Beschluss veröffentlicht hat, keine Matches in Minsk austragen zu lassen und dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko damit nicht die Bühne des Sports zu geben, kam prompt Beifall allerorten. Auch Österreichs Sportminister Werner Kogler sah es in einer ersten (Twitter-)Stellungnahme als "Erfolg des Drängens einer Allianz aus mehreren EU-SportministerInnen". Es sei "im Interesse der EU und Österreichs, die Einhaltung der Menschenrechte durch Sport und große Sportereignisse zu fördern", schrieb er - und es gibt keinen Anlass, daran zu zweifeln.

Dennoch ist das bestenfalls die halbe Wahrheit. Denn erst, nachdem namhafte Sponsoren mit Rückzug gedroht hatten, wurde der Druck so groß, dass die IIHF nicht mehr anders konnte, als Weißrussland die WM zu entziehen. Aufgebaut haben ihn aber andere, nämlich die Sportler, die den Repressionen getrotzt und auf die Missstände aufmerksam gemacht haben. Ohne ihr Drängen wäre wohl nichts passiert. Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es, und manchmal auch den Schrein, in dem man sportliche Großereignisse behüten will, auch wenn daran so gar nichts Heiliges mehr zu finden ist. Die Ereignisse in Belarus zeigen jedenfalls, dass es kein Sakrileg mehr ist, dagegen aufzustehen.

Das ist ein positives Signal für den Sport, der sich im Vorjahr in selten dagewesener Form seiner sozialen Verantwortung bewusst zu werden schien. Doch soll diese Bewegung wirklich nachhaltig weitergehen, wird es auch anderorten noch ein harter Kampf werden, für alle Beteiligten. Und das nicht nur im Nachhinein.