Als Marcel Hirscher vor bald drei Jahren sein Karriere-Erfolgspuzzle in Form von Olympiagold in Pyeongchang komplett machte, fühlte sich das für ihn unwirklich an. Denn mangels Fans war die Stimmung bei der an sich größten sportlichen Ehre weit unter dem Niveau der Pokalübergabe im Salzburger Nachwuchs-Landescup anno 1997 - und also unwürdig. Aufgrund der einzigartigen Atmosphäre setzen Skirennfahrer einen Sieg auf der legendären Streif gerne mit einem Olympiasieg oder Weltmeistertitel gleich - nicht nur, weil am Hahnenkamm der prestigeträchtigste Titel für den Triumph auf der allerschwersten Strecke vergeben wird, sondern weil die Emotionen im Bad der tobenden Menge nicht in Gold aufzuwiegen sind. Zumal es derartige Fußvolk-Massen, gefolgt vom Glamour-Schimmer einer jährlich größer werdenden "Skickeria" nur einmal im Jahr gibt. Wenn Kitzbühel ist.

Doch Corona sorgt heuer für ein anderes Kitzbühel - Kitzbühel ohne Kitzbühel sozusagen. Allein der Sport steht im Mittelpunkt, der Kampf der Athleten gegen den Berg, der Sieg im Rennen aller Rennen. Und das ist für wirkliche Sportfans, die Kitzbühel im Patschenkino verfolgen, eigentlich ein großer Gewinn. Denn statt die DJ Ötzis, Uschi Glas’ und ORF-Generäle auf der VIP-Tribüne ins Bild zu rücken, sieht man endlich wieder mehr Zeitlupen, Superzeitlupen und Rennanalysen.

Der Star in Kitzbühel ist immer noch die Streif - und mit ihr alle, die sie bezwingen. Heuer wird das endlich wieder sichtbar. Denn Kitzbühel ist Kitzbühel ist Kitzbühel. Auch ohne Fans und VIPs.