Man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass das heuer mit der Fußball-EM als stimmungsvolles Fest quer über den Kontinent nichts mehr wird. Da die Uefa für 5. März eine definitive Entscheidung angekündigt kann, kann sich jeder ausmalen, was es für die Fans zwischen 11. Juni und 11. Juli geschlagen hat: Die 51 Spiele werden, wenn überhaupt, vor ganz wenigen Zuschauern über die Bühne gehen können. Die Frage ist nur, wo genau. Und da kommt Wien ins Spiel, das sich zwar nicht beworben hat, aber bei einer von der Uefa angedachten Spielstättenraffung als Austragungsort wieder in Betracht käme. Hieß es zumindest jüngst in einem Bericht von RTL/ntv, der so absurd nicht ist, wie etwa ÖFB-Präsident Leo Windtner kundtat ("Es ist komplett unrealistisch").

Denn dass Österreich in Pandemiezeiten Großevents reibungslos abwickeln kann - siehe Formel 1, Moto-GP, Ski-Weltcup -, ist längst bekannt und hat den guten Ruf der Alpenrepublik als Top-Organisator (auch im Kulturbereich) verfestigt. Verständlich, dass die Uefa auf Wien kommt - wir reden ja von leeren Stadien. Und da ist das Alter der Happel-Arena völlig egal. Nimmt man die Uefa-zertifizierten Spielstätten von Rapid und Austria hinzu und ergänzt den "Großraum Wien" mit Salzburg oder Graz, sind ganz leicht zwei Gruppen mit zwölf Matches zu beherbergen (so wie 2008). Zudem ist Österreich ja Sommercamp-Weltmeister - verfügt also über modernste Trainingsmöglichkeiten - und hat ausreichend Kapazitäten in der leeren Stadthotellerie. Da müsste man in der aktuellen wirtschaftlichen Situation also laut jubeln statt raunzen.