Wie bleibt man als Wissensdienstleister im Gespräch? Man schießt eine Studie in die Welt hinaus und trifft damit hoffentlich den Zeitgeist. Zugegeben, solche Konjunkturritter arbeiten nicht immer topseriös. Aber ein Unterhaltungswert ist ihnen meist zu eigen.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

So auch einer Studie von "The Knowledge Academy", einer globalen Coaching-Firma mit Sitz im UK. Sie macht sich über die beschränkten Möglichkeiten beim Corona-Online-Dating Gedanken: Welcher englische Akzent befeuert dabei den Eros, welcher lässt ihn erkalten? Verschiedene Stimmen sprachen dafür denselben Text auf Band; die Zuhörer (250 Singles "verschiedener Nationalitäten") sollten abdrehen, sobald der Klang nervte. Ergebnis: Unter den Frauenstimmen erwies sich der US-Akzent als Lustkiller Nummer eins, gefolgt vom südafrikanischen und neuseeländischen. Auch bei den Männern irritierte der Ami-Akzent am schnellsten, das kanadische und das walisische Idiom belegten die Folgeränge.

Natürlich: Die Belastbarkeit dieser Daten ist fraglich. Die Korrelation zwischen Sound und Sexyness ist aber wohl nicht erfunden. Gibt ja auch hierzulande Ohr-Erotiker, die das opulente Oberösterreichisch oder das verhangene Vorarlbergerisch als Aphrodisiakum einstufen oder als Verhütungsmittel.

Nur vor einer Folgerung sollte man sich hüten: Dass Dialekt beim Dating so peinlich ist wie Feinripp beim Schäferstündchen. Denn die Alternative zur regionalen Vielfalt ist jener Einheitsbrei aus dem deutschen Privat-TV, der leider ohnehin längst über den ganzen Sprachraum schwappt.