Geld verdirbt den Charakter, sagt man, und angesichts von Social-Media-Postings, in denen Spitzenathleten sich stolz mit vergoldeten Steaks und in den teuersten Sportautos abbilden lassen, sich auf der anderen Seite vielleicht Transfers mit der Aussicht auf noch mehr Geld erstreiken oder ihre soziale Vorbildwirkung mit Krimi-reifen Fluchten von Corona-Partys über Häuserdächer recht kreativ auslegen, muss man zu dem Befund kommen, dass dieses Phänomen auch vor dem Sport nicht Halt macht.

Da ist es wohltuend, wenn ein junger Sportler eben diese Tatsache offen kritisiert. Die Ablösen und Gehälter im Spitzenbereich seien "absurd", sagt nun Österreichs Teamspieler Philipp Lienhart in einem Interview mit "t-online". "In Europa wechselt ein Spieler für 200 Millionen Euro den Klub, auf der anderen Seite der Erde verhungern täglich Menschen. Das ist niemandem mehr zu vermitteln - gerade nicht den Fans", sagt der 24-Jährige. Natürlich hat er Recht. Und doch ist es nur die halbe Wahrheit. Denn nicht nur dass Lienhart selbst Teil dieses Systems ist, sind es freilich auch die Fans, die sich mit Tausenden von Euro mit Trikots und anderen Klub-Devotionalien eindecken, teure Reisen unternehmen, um ihren Vereinen (zumindest in Nicht-Corona-Zeiten) nachzufahren, und so ganze Wirtschaftszweige alimentieren, wodurch das Werkl am Laufen gehalten wird, deren Vehikel wiederum die Sportler selbst sind.

Es wäre wohl weder zielführend noch realistisch zu verlangen, dass diese sich unter ihrem erst dadurch zustandekommenden Marktwert verkaufen. Doch es gibt genug andere Wege für Fußballer und andere Spitzensportler, der Allgemeinheit einen Dienst zu erweisen, und viele haben es nicht nur, aber gerade auch in der Corona-Krise durch Spenden etc. vorgezeigt. Eine Botschaft wäre beispielsweise auch eine Unterstützung der aktuellen Forderung des heimischen Vereinssports, den berühmten "Schnitzel-Bonus" in einen "Vereins-Bonus" umzuwandeln und dadurch auch den Breitensport (und damit die körperliche sowie die zuletzt immer mehr in Gefahr geratene psychosoziale Gesundheit) nachhaltig zu fördern. Günstiger als Goldsteaks wäre das obendrein noch.