Es war zu erwarten. Wer mitten in einer Pandemie eine neue App startet, mit der man über andere Personen einen wahren Sprach-Wasserfall ergießen kann, kann gar nicht falsch liegen. Nach gut einem Jahr, in dem Veranstaltungen welcher Art auch immer praktisch unmöglich geworden sind, herrscht in einer gewissen Schicht offensichtlich großer Bedarf daran, sich selbst öffentlich reden zu hören. Denn was diese schwer leidende Gesellschaft jetzt ganz besonders dringend braucht, sind noch mehr Podiumsdiskussionen.

Zumindest kann man die Diskussionen in der neuen App Clubhouse gemütlich vom Sofa aus abführen und muss sich weder rasieren noch schick anziehen. Das ist ein Plus. Ob die Macher der App wohl damit gerechnet haben, dass sich die üblichen Besetzungen dieser Diskussionen offensichtlich völlig sprachdepriviert wie die Geier auf Clubhouse stürzen werden?

Wie auch immer: Bei erfolgreichen Apps ist Facebook nicht weit. Wie die "New York Times" berichtete, wies der Konzern Mitarbeiter an, ebenso eine eigenen Version der populären Audioplattform zu entwickeln. Dabei lote Facebook stets neue Wege aus, um dieses "Erlebnis" für die Nutzer zu verbessern.

Wie das endet, weiß man. Immerhin hat Facebook auch bei Instagram und WhatsApp zum richtigen Zeitpunkt zugeschlagen. Aufkaufen oder Abkupfern ist da meistens noch die Frage. Aber das kann Facebook-Chef Mark Zuckerberg ja noch selbst bekanntgeben. Auf Clubhouse zum Beispiel.