An das Schwarz-Rot-Gold neben Romed Baumanns Namen auf der Anzeigetafel im Ziel hat man sich ja mittlerweile gewöhnt. Nur so kräftig jubeln wie nach dem zweiten Platz beim Super G am Donnerstag bei der Ski-WM hatte man ihn seit dem Wechsel vom ÖSV zum DSV vor zwei Jahren nicht gesehen. Am Ende fehlten dem aus St. Johann gebürtigen Tiroler nur sieben Hundertstel auf Vincent Kriechmayr - und ganz Deutschland jubelt im Lockdown über Silber.

Allein in Österreich hält sich die Begeisterung in Grenzen. Gott behüte, was hier los wäre, wenn der Neo-Deutsche "unserem Vinc" die Goldene weggeschnappt hätte. Man mag sich die Wutausbrüche im Autostau vor der bayerischen Grenze gar nicht vorstellen, von den sogenannten "Sozialen Medien" gar nicht erst zu reden. Schon als Baumann 2019 seinen Entschluss mitteilte, nun für die Deutschen zu starten, setzte es Kritik, wurde er vom Boulevard in Anlehnung an den Rennanzug als "Piefke-Zebra" verhöhnt.

Wer es schon vergessen haben sollte: Baumann ist nicht etwa ins deutsche Team gewechselt, weil er seine Heimat nicht mehr liebt oder sich einer deutschnationalen Burschenschaft angeschlossen hätte. Er hat mit seinen damals 33 Jahren schlicht keinen Platz mehr im ÖSV-Kader bekommen und musste sich allein auf die Saison vorbereiten. Vor allem aber ist er seit Langem mit einer Bayerin liiert und lebt mit Kind und Kegel in Kiefersfelden. Beides kein Grund, um gegen ihn ungut zu werden, sollte Baumann doch noch einmal Gold holen.