Er ist dreifacher Schwimm-Olympiasieger und seit seinem Karriereende als Berater gefragt. Mit seinem jetzigen Vorstoß hat Michael Groß, der "Albatros", wie er ob seiner Körpergröße und Spannweite genannt wurde, aber eine veritable Bruchlandung hingelegt. Er selbst nennt ihn "eine ungewöhnliche Idee in einer außergewöhnlichen Zeit", und in der darf es grundsätzlich keine Tabus geben.

Weil es schwierig werde, bei den in Tokio im Sommer geplanten Olympischen Spielen die Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen einzuhalten, könne Olympia nicht ohne Durchimpfung aller Beteiligten guten Gewissens stattfinden. Schließlich würden "etliche Länder nicht zögern, ihre Sportler zu schützen", während andere (sowie auch das IOC) sich gegen eine Bevorzugung von Sportlern, die ohnehin schon diverse Privilegien genießen, bei den Impfungen aussprechen, meint Groß - und folgert daraus, dass doch auch in letztgenannten Ländern jene, die in der staatlich festgelegten Reihenfolge als Erste kommen, ihr "Recht" an Olympia-Teilnehmer "spenden" könnten.

Nun ist an den Befürchtungen Groß’ in Bezug auf Chancengleichheit bei Olympia freilich etwas dran. Doch wenn eine vermeintliche Chancengleichheit im Sport bedingt, dass in der Gesellschaft die, die Schutz am meisten bedürften, aufgerufen werden, ihr Recht einfach abzutreten, muss man Angst haben, was als Nächstes kommt. "Fair" ist in einer Pandemie ohnehin nichts, zumindest, wenn es um das subjektive Gerechtigkeitsempfinden jedes Einzelnen geht. Es läuft der Olympischen Idee zuwider, die Unfairness auch objektiv zu verschärfen.