Kaum geht’s in den Sozialen Medien ums Impfen, schon ist die Schuldige ausgemacht: die Pharmaindustrie. Die Pharmaindustrie nämlich ist auf jeden Fall schuld. Nur woran genau sie schuld ist, bleibt vielfach im Dunkeln.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Jeder vernünftige Mensch will, dass sein Arzt, der Pilot des Flugzeugs (der Taxichauffeur, der Lokführer etc.) gut ausgeschlafen und gut bezahlt ist. Jeder vernünftige Mensch, der weiterdenkt, will auch, dass die Pharmaindustrie richtig Kohle macht. Denn nur dann kann sie schnell sichere Medikamente entwickeln. Und zwar nicht nur im Fall von Pandemien, wenn ein weltweites Interesse daran besteht.

Doch das lassen die schlauen Pharmaverweigerer nicht gelten. Frische Luft, Sport und gesunde Ernährung reichen für sie als Medizin aus - zumindest bis zur nächsten Wurzelbehandlung, wenn sie sich zum rabiaten Pharmalobbyisten wandeln und um eine Lokalnarkose betteln.

Aber solange es Covid-19 ist, woran nur die Alten und Schwachen sterben, zu denen man sich nicht zählt, kann man die Pharmaindustrie verteufeln. Apropos schwach: Wann war die letzte Durchuntersuchung? Leber? Nieren? Herz? Lunge? Zucker? Könnte man Covid-19 mit einer frischen Karotte begegnen?

Egal: Die Pharmaindustrie ist schuld und böse und ein Raffzahn. Jetzt will Österreich sogar mit Israel eine Pharma-Kooperation beginnen. Man stelle sich vor: Mit Israel! Alles klar? - Und schon weiß man, woher der Wind der Pharmaverweigerer weht. Frisch ist er nicht. Er stinkt vorgestrig.