Es war eine der monumentalsten journalistischen Fehlleistungen in der deutschsprachigen Journalismusgeschichte: die angeblichen Tagebücher Adolf Hitlers, die der "Stern" 1983 veröffentlichte und die sich als dreiste Fälschung des Kopisten Konrad Kujau herausstellten. Der "Stern", gierig nach einem Welterfolg, wartete die Echtheitsuntersuchung des Bundeskriminalamtes nicht ab, sondern begann verfrüht mit der Publikation. Wochen später war alles vorbei: Die Bücher, für die der Verlag mehr als 9 Millionen D-Mark gezahlt hatten, waren als dreiste Fälschung entlarvt.

Viel ist über die Affäre geschrieben worden. Helmut Dietls satirische Aufarbeitung "Schtonk!" mit einem legendären Götz George in Hermann Görings angeblichem Bandemantel hat Filmgeschichte geschrieben. Nun wird RTL auf TVnow eine nicht weniger monumentale sechsteilige Serie mit dem Titel "Faking Hitler" produzieren. Sie beruht auf der "Stern"-eigenen Podcast-Serie gleichen Namens.

Lustig auch, denn RTL und der "Stern" gehören zum selben Verlagshaus. Die Dimensionen hören sich massiv an. Immerhin sucht die Produktionsfirma für ihre Dreharbeiten im April an die tausend Statisten. Darunter Redaktionsmitarbeiter, Schaulustige, Justiz- und Polizeibeamte sowie einen österreichischen Wirten, der österreichischen Dialekt sprechen soll, und Oldtimer-Kfz samt Fahrern aus den frühen 1980er Jahren. Wer also mit Moritz Bleibtreu auf Nostalgiefahrt gehen möchte, kann sich melden.