Es ist wohl eine Erkenntnis aus der Kategorie "Eigentlich klar, aber bisher nicht so drüber nachgedacht": Prinz Harry ist vom Tod seiner Mutter (zwei Wochen vor seinem 13. Geburtstag) und den Umständen, die dazu führten, offenbar sehr viel stärker traumatisiert, als sein in den vergangenen Jahren betont lockeres Auftreten vermuten ließ.

Am Montag wird ein großes Interview, das der britische Königinnen-Enkel zusammen mit seiner Frau Meghan der US-Talkgröße Oprah Winfrey gegeben hat, ausgestrahlt (auch auf ORF1, 13.50 und 21.10 Uhr). Einige Wortspenden wurden vorab veröffentlicht, unter anderem äußert Harry seine Sorge, "dass sich die Geschichte wiederholt". Er sagt das nicht zum ersten Mal, diesmal im Zusammenhang mit dem Bruch seiner Familie mit der Königsfamilie.

Rational gesehen wird man diese Besorgnis als übertrieben einstufen: Die Situation, in der sich Diana befand, kann in keiner Weise mit Harry und Meghan verglichen werden. Diana befreite sich aus einer unglücklichen Ehe. Diese Emanzipation war eine echte Pioniertat, sie musste um ihr Image kämpfen, das öffentliche Interesse war enorm und gipfelte schließlich in dem fatalen Verhältnis zwischen den Medien/Fotografen und der Prinzessin, dessen Ende bekannt ist. Rational gesehen ist die Situation ihres Sohnes, der es sich in Kalifornien gemütlich gemacht hat, meilenweit entfernt davon. Aber rationale Sichten spielen keine Rolle, wenn es um Traumata geht. Das wird man akzeptieren müssen.