Wer zuletzt die Worte Nordische Ski-WM und Österreich in einem Atemzug nannte, der lief Gefahr, mit einem Redeschwall oder zumindest einem Kopfschütteln bedacht zu werden. Seefeld lässt grüßen, und tatsächlich war das, was da vor zwei Jahren bei der Heim-WM ablief, keine schöne Visitenkarte. Erinnerungen an Olympia in Turin 2006 wurden wach, und wieder einmal waren alle Finger auf den ÖSV gerichtet, dessen Präsident einst noch einmütig geschworen hatte, dass Österreich eigentlich "too small" sei, um "good doping" zu machen.

So gesehen war die Antwort, welche die ÖSV-Athletinnen und Athleten bei der laufenden WM in Oberstdorf neuerdings gegeben haben, richtig. War man 2019 in Seefeld noch ohne Goldene, dafür aber - trotz neun Medaillen - mit dem Makel des Doping-Sünders behaftet, so schlug man jetzt nochmals zurück - und zwar dort, wo man es teilweise nicht erwartet hätte. Die Siege von Kombinierer Johannes Lamparter, des ÖSV-Damen-Teams auf der Normalschanze sowie von Stefan Kraft auf der Großschanze können nicht hoch genug eingeschätzt werden, zumal sie die Zielsetzung, dass man erstmals seit der fast abnormal erfolgreichen WM in Oslo 2011 (mit nicht weniger als sieben Siegen) wieder mehr als zwei Goldene mit nach Hause nehmen kann, vollends erfüllt haben.

Am Samstag und Sonntag sind es nun vor allem die Herren-Team-Bewerbe (Kombination und Großschanze), die weiter hoffen lassen. So gesehen wäre der bleibende zweite Rang in der Medaillenstatistik immer noch drinnen - nach Norwegen versteht sich, das hier die Tabelle mit sage und schreibe 26 Mal Edelmetall, davon 11 in Gold, unangefochten anführt. Dass ein Lamparter einen Jarl Magnus Riiber abhängen konnte, wird von dieser WM jedenfalls als Highlight in Erinnerung bleiben. Kopfschütteln inklusive.