Die olympische Tragödie ist um einen Akt reicher. Nach dem Organisationschef musste nun auch ausgerechnet der Kreativdirektor Hiroshi Sasaki zurücktreten, weil er Kreativität eher unkreativ auslegte und für einen weiteren Sexismus-Eklat sorgte. Im vergangenen Jahr hatte er, wie jetzt ans Licht kam, gegenüber Mitarbeitern vorgeschlagen, die Entertainerin Naomi Watanabe in ein rosa Kostüm zu stecken und als "Olympig" - in Anlehnung an "Pig", also "Schwein", und Anspielung auf ihren Körper auftreten zu lassen.

Der Skandal ist enorm, und Japan dürfte sich ernsthaft überlegen, ob das mit Olympia wirklich so eine gute Idee war. Nun kann man freilich nicht mehr zurück. Die Verschiebung hat die Kosten in die Höhe getrieben, in der Bevölkerung ist das olympische Feuer der Begeisterung eine Woche vor Start des Fackellaufs längst erloschen, die Diskussion, ob, unter welchen Umständen und wie viele Zuschauer zugelassen werden sollen, sind längst noch nicht entschieden. Ausländische Fans (und damit viele Freunde und Angehörige von Sportlern) werden jedenfalls nicht zugelassen werden; und ob faire Wettkämpfe aufgrund der unterschiedlichen Reise-Bestimmungen und der Frage "geimpft oder nicht geimpft" möglich sind, ist zumindest unklar.

Dass hochrangige Vertreter jetzt noch mit abfälligen Bemerkungen über Frauen auf sich aufmerksam machen, ist allerdings ein hausgemachtes Problem - und führt die Bestrebungen der neuen Organisationschefin, die eilig angekündigt hatte, zwölf Vorstandsposten mit Frauen zu besetzen, ad absurdum. Jetzt kann man sich nur noch in einer Begrenzung des Schadens versuchen. Angerichtet ist er bereits.