Der Algorithmus bestimmt immer mehr unser Leben. Er entscheidet, was wir zu Gesicht bekommen, was wir lesen und vor allem, was wir kaufen sollen. Dass, wenn ein Freund ein Elektrogerät kauft, uns in der Sekunde auch dasselbe Gerät als Werbung angezeigt wird, haben wir längst akzeptiert. Das Problem: Der Algorithmus hat allzu oft recht - wir empfinden den Hinweis als interessant - und kaufen. Ziel erreicht.
Wenn der Algorithmus also schon bestimmt, was wir lesen, kann er dann auch gleich das zu Lesende selbst erstellen? Das probierte Schriftsteller Daniel Kehlmann in einem Selbstversuch aus. Der Literat testete, ob eine hochentwickelte Künstliche Intelligenz zur Erstellung eines literarischen Werkes herangezogen werden kann. Der Schreibpartner im Silicon Valley, passenderweise CTRL ("Control") genannt, machte sich ans Werk - und scheiterte. Das neue Buch berichtet davon auf rund 60 Seiten: "Mein Algorithmus und ich" gibt Einblick in die Funktionen prädikativer Algorithmen ("Sie scheinen Dinge zu verstehen, aber eigentlich treffen sie nur Voraussagen").

Das Resultat war offenbar ernüchternd. Für Kehlmann ein Akt der Befreiung: Seine anfängliche Sorge, Künstliche Intelligenz werde in naher Zukunft den Schriftstellerberuf abschaffen, habe sich in Luft aufgelöst. Es ist erbaulich, dass man für Kunst tatsächlich immer noch einen Künstler braucht, und der kann kein Computer sein. Ein bisschen ist das auch bei Zeitungstexten so. In diesem Sinne: Nein, ich bin kein Computer. Noch.