Manchmal muss man sich wirklich fragen, in welchem Jahrhundert man eigentlich lebt. (Und nein, hier geht es jetzt nicht um Seuchen oder freiheitsbeschränkende Pandemie-Maßnahmen). Es geht um den Weltfußballverband Fifa. Der bemühte sich am Donnerstag zu betonen, einen Grundpfeiler der Demokratie (doch) zu respektieren: "Die Fifa glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben." Und daher werde es Norwegens Team, das es gewagt hatte, zum WM-Qualifikationsauftakt gegen Gibraltar (3:0) Leiberl mit der Aufschrift "Respekt - auf und neben dem Platz" sowie "Menschenrechte - auf und neben dem Platz" zu tragen, nicht sanktionieren. Wer jetzt unbedarfterweise an einen schlechten Scherz glaubt, dass nämlich extra betont werden müsse, jemand für solch harmlosen Sprüche nicht zu bestrafen, der kennt die Fifa nicht.

Da wurde nämlich de facto jede selbstgebastelte Botschaft als politische eingestuft, was kraft Statut entsprechend verboten ist. Diesfalls ging es von norwegischer Seite klarerweise um WM-Gastgeber Katar, bekanntlich ob der todbringenden Arbeiter-Ausbeutung, des streng-islamischen Regimes und der korruptionsverdächtigen WM-Vergabe seit Jahren in der Kritik. Wenn man bedenkt, dass die Fifa zuletzt etwa die Fußball-Mutterländer England und Schottland mit Geldstrafen bedacht hat, weil sie zum Gedenken an den Waffenstillstand im Ersten Weltkrieg (Remembrance Day) eine Mohnblume am Dress getragen hatten, dann weiß man, welch Geistes Kinder die Fifa-Funktionäre bisher waren.

So gesehen ist das nun ein großer Fortschritt, immerhin geht es ja nicht um irgendwelche politischen Botschaften, sondern um universelle Werte entwickelter Demokratien. Die dann hoffentlich auch in Katar auf Dressen zur Schau gestellt werden dürfen. Straffrei.