Kaum eine Branche verleiht so gerne Preise wie die Kunstwelt, einmal abgesehen vom Journalismus. Der tollkühnste Tonkünstler, der irrste Installationsmacher, der mätzchenfreieste Mäzen: Sie alle erhalten ihre Leistungen mit Brief und Siegel, Beifall und vielleicht auch einer Trophäe beglaubigt.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Was bisher weniger bekannt war: Seit 2017 wird auch das "beste" Publikum geehrt. Das Klassikmagazin "concerti" hat die Würdigung ersonnen und kürt alljährlich ein Haus, dessen Kundschaft durch Treue, Leidenschaft und einen Mix an Altersgruppen glänzt. Natürlich: Die Sieger (zuletzt die Gäste der Dresdner Philharmonie) werden aus naheliegendem Grund nicht auf die Bühne gebeten (wer würde dann klatschen?). Dafür heimst das Haus Anerkennung und ein paar tausend Euro ein.

Nun ließe sich über diesen Preis schon witzeln. Meist fällt einem das Publikum nur dann auf, wenn es stört: durch knisternde Zuckerlsackerl, halblautes Plaudern und helllichte Handy-Bildschirme.

In Corona-Zeiten darf der Preis aber als bedeutsam gelten. Denn das Publikum hat ein gewichtiges Wort mitzureden, ob kommerzschwache Kunstbetriebe durch Krisen kommen - nicht bloß durch den Abokauf. Nur die lautstarke Zuschreibung von Qualität sichert Kulturgütern jene Relevanz, die vor dem Untergang feit. Da hilft auch ein Publikum, das seinem Haus aus der Ferne die Stange hält, Streaming-Events "besucht" und hie und da auf eine Refundierung verzichtet. Man wünscht all diesen Enthusiasten die rasche Rückkehr auf ihre Stammsitze. Von mir aus mit Knistersackerl.