Brasilien als Fußball-Vorreiter? Das war einmal, damals, als die Samba-Truppe nur so durch die Turniere tänzelte und Spieler wie Pelé die Welt entzückten. Doch spätestens seit dem fünften und bisher letzten WM-Titel 2002 stolpert die Selecao den eigenen Ansprüchen hinterher. Gewissermaßen ist es Ironie des Schicksals, dass das seither beste Ergebnis, der vierte Platz bei der Heim-WM 2014, wegen des historischen 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland als kollektive Schmach in die Annalen des brasilianischen Fußballs eingegangen ist.

Ansonsten macht dieser vor allem mit strukturellen Problemen und undurchsichtigen Geschäften auf sich aufmerksam. Nun aber hat die Liga einen Entschluss gefasst, der zwar diese Probleme nicht beseitigen wird, der in seiner Einfachheit aber durchaus etwas Revolutionäres hat. Ab dieser am 29. Mai beginnenden Meisterschaft ist nämlich regulär nur noch ein Trainerwechsel pro Saison erlaubt. Will ein Verein eine zweite Rochade durchführen, muss der Nachrücker mindestens schon sechs Monate beispielsweise als Jugend- oder Assistenzcoach im Klub gearbeitet haben.

Mit der Maßnahme will man die Trainer, aber auch die Vereine schützen - schließlich bedeutet jeder Betreuerwechsel in der Regel auch, dass man gut bezahltes Personal spazierengehen schickt. Viele Vereine werten das als Eingriff in die Selbstbestimmung, doch manche müssen anscheinend zu ihrem Glück gezwungen werden. Und das gilt nicht nur in Brasilien. Schließlich betreiben auch viele Vereine in europäischen Ligen - Paradebeispiel Italien - eine ebenso unerträgliche wie irrationale Hire-and-Fire-Politik. Dass Brasilien in puncto Strukturen hier so bald wieder zum Vorreiter werden könnte, hat man sich vor einiger Zeit auch nicht gedacht.