"Ich stelle es mir verflixt schwer vor, in Deutschland heute pädophile Sklavenhalter für die Übersetzung antiker griechischer Autoren wie Aischylos oder Sophokles zu finden", hat TV-Literaturvermittler Denis Scheck vor kurzem gesagt. Er bezog sich auf die Debatte, die um das Inaugurationsgedicht von Amanda Gorman entbrannt war. Manche Verlage fanden, es sollte nur von einer schwarzen Übersetzerin transferiert werden. Das wurde unglücklich kommuniziert, mindestens zwei sicher fähige, aber eben nicht schwarze Übersetzer wurden ent-engagiert, der Beigeschmack wurde unschön.

Dabei hätte man auch einfach ohne Geschrei eine schwarze Übersetzerin beauftragen können - die soll es nämlich geben. Aber in einer ohnehin "unsichtbaren" Branche ist man als Minderheit noch unsichtbarer. In Deutschland wurde man offenbar - Autorin Sharon Dodua Otoo hat es in der "Wiener Zeitung" beklagt - nicht fündig. Zum Zug kam ein Trio: die Berufsübersetzerin Uda Strätling - sie hat schon Emily Dickinson ins Deutsche gebracht -, flankiert von einer antirassistischen Publizistin (Kübra Gümüsay) und einer Journalistin (Hadija Haruna-Oelke). Das Ergebnis fällt bei den Kritikern durch. Bilder wurden platt übertragen, Anspielungen nicht übernommen und, das wohl schlimmste, die afroamerikanische Leidenserfahrung reichlich facettenfrei runtergeschliffen. "Kein Wort sollte jemanden verletzten", war die Vorgabe. Das ist ein grundsätzliches Missverständnis - Kunst soll schon pieksen.