Die Oxford University will ihren Musiklehrplan durchlüften: Die Kaderschmiede möchte ihr Augenmerk verstärkt auf Jazz, Hip-Hop und "nicht-eurozentrische Themen" richten, heißt es in einem Bericht des "Sunday Telegraph". Als Bildungsbürger muss man deshalb nicht gleich in Schnappatmung verfallen. Jedenfalls vorerst nicht. Horizonterweiterung hat noch keinem geschadet. Zudem sollen die Änderungen vor allem Grundkurse betreffen; Ikonen der Klassik würden nicht verbannt.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Seltsam aber, was da alles im Argumentenköcher der Reformer steckt. Natürlich ist es würdig und recht, schwarzen Künstlern mehr Anerkennung zuzuführen. Bedenklich ist aber die Behauptung gewisser Professoren, die Lehrpläne würden zu viel Musik "weißer Komponisten aus der Ära der Sklaverei" behandeln. Denn der Satz bezweckt dann doch einen Aderlass an der Klassik. Und er suggeriert eine Komplizenschaft zwischen Europas Künstlern und Kolonial-Verbrechen. Letztere fanden allerdings in weiter Ferne statt. Zudem ist es einem Mozart und Beethoven ("Alle Menschen werden Brüder"!) kaum anzulasten, dass ihre Genies in jener Zeit erblühten - und dass sie für eine reiche, weiße Elite gearbeitet haben. Jede elaborierte Kunst benötigt für ihre weitere Verfeinerung günstige Bedingungen. Doch um Inhalte geht es den Vorkämpfern eines "woken" Kulturrevisionismus sowieso nicht, sondern um Hautfarbe und ethnische Herkunft. Dass sich ausgerechnet diese Denkungsart als Heilmittel gegen Rassismus aufspielt, entbehrt nicht einer bitteren Ironie.