. . . und keiner geht hin! In Anlehnung an das berühmte Zitat vom Krieg, zu dem eben keiner hingeht, könnte man auch das jüngste Vorgehen des US-Außenministeriums in Sachen Olympia-Boykott 2022 in Peking zusammenfassen. Die in Außenangelegenheiten noch ziemlich erratisch mäandernde Biden-Administration hat sich mit dem jüngsten Boykott-Aufruf verstiegen.

Wobei, was war das genau? Der so nebenbei eingestreute Satz - "Das ist etwas, das wir sicherlich diskutieren wollen" - sollte angesichts der politischen Sprengkraft mit den erhofften Boykott-Verbündeten gut abgestimmt sein. War er aber offenkundig nicht, denn von den (westlichen) Verbündeten, die ob der Menschenrechtslage in China womöglich auf die Winterspiele pfeifen möchten, hat sich genau niemand aus der Deckung gewagt. Weshalb nun das genaue Gegenteil des Erhofften eingetreten ist: China, das naturgemäß scharf konterte und sich frecherweise auf die olympische Charta beruft, weiß nun neben dem IOC auch die schweigende Mehrheit der olympischen Bewegung hinter sich. Welch diplomatische Bruchlandung!

Natürlich ist es richtig, Olympia 2022 in China - wo immer es geht - als Bühne für Kritik zu nutzen. So wie man es schon bei den Sommerspielen 2008 in Peking gemacht hat, als freilich ganz Naive geglaubt haben, mit den fünf Ringen halte die Demokratie im Reich der Mitte Einzug. Eher ist das Gegenteil passiert: Wurde nicht damals bestätigt, dass repressive Regime durch globale Sportspiele in ihrem Verhalten legitimiert und bestärkt, denn gewandelt werden? Daher ist die US-Idee an sich ja löblich, sie muss nur viel besser umgesetzt sein. Das eingangs erwähnte Zitat von Carl Sandburg (fälschlicherweise oft Bertolt Brecht zugeordnet) nimmt übrigens noch eine Wendung, der sich alle nun Schweigenden eingedenk sein sollten: "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin - dann kommt der Krieg zu Dir!"