Was einen die Corona-Krise bisher gelehrt hat? Schicksalsergebenheit, vielleicht. Ein gesteigertes Maß an Geduld aber nicht - was einem spätestens dann auffällt, wenn man wieder einmal in einer Warteschleife festhängt.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Jüngster Anlass im Eigenheim: Ein Schiffbruch im Homeoffice, sprich ein Internetausfall. Also rasch den Provider angerufen. Wobei "rasch" ein Euphemismus ist. Immerhin gilt es erst einmal, die Service-Nummer selbst aufzustöbern - die der Provider so gefinkelt versteckt wie ein Pirat seinen Goldschatz. Aber irgendwann buddelt man sie doch in den Tiefen der Homepage aus, versteckt unter den "FAQs" - dieser angeblichen Abkürzung für "Frequently Asked Questions", die tatsächlich für "Freundliches Abschasseln von Querulanten" steht.

Die Zeit am Telefon ist dann zwar auch zäh, verkürzt sich aber durch Momente des Staunens. Staunen darüber, wie eine Warteschleife in Zeiten von KI und HD so hemmungslos rauschen kann. Staunen auch über die Musik: Reggae? Soll einen womöglich so stoisch stimmen, wie die Neigungsgruppe Bob Marley dank dicker Spaßzigaretten drauf ist. Und nach zehn Minuten staunt man, dass ein echter Mensch abhebt - und einem den ältesten Tipp der Welt gibt: Stecker raus und rein. Geht nicht? Tja: Dann bitte ein neues Gerät in einer Filiale holen.

Immerhin: Endlich einmal wieder ein Gespräch mit einem Fremden geführt. Und das alte Modem wollte wenig später auch wieder. Übrigens ganz von allein. Geduld muss man eben haben.