Eine Nacht darüber geschlafen mag vielen Fußball-Fans vielleicht erst jetzt so richtig gedämmert sein, dass das, was da Juventus Turin, Real Madrid und Co. in Sachen Super League geplant hatten, noch einmal knapp gut gegangen ist. Dafür ausschlaggebend war aber nicht nur der scharfe Protest von Uefa, Fifa und Nationalligen, sondern vor allem auch die klare wie treue Haltung der Franzosen und Deutschen in der Frage - für die Idee eines gemeinschaftlichen Europacups, der diesen Namen verdient. Hätte das "dreckige Dutzend" triumphiert, wäre das herausgekommen, wovor auch mit Blick auf die EU oft gewarnt wird: ein Europa der zwei Geschwindigkeiten.

Wie stark diese Zentrifugalkräfte sind, haben die großen Krisen der vergangenen Jahre - Finanzen, Migration, Brexit und Corona - vorgezeigt, mit dem Effekt, dass die EU jetzt nicht stärker, sondern schwächer dasteht. Und analog zum europäischen Fußball muss man auch hier konstatieren, dass es die EU ohne Frankreich und Deutschland in der Form wohl nicht mehr geben würde. Beide Länder bilden heute, nachdem sie ihre auch für Gesamteuropa so zerstörerische Feindschaft nach 1945 begraben haben, das politische, wirtschaftliche und - wie sich nun wieder zeigt - sportliche Rückgrat dieses Kontinents.

Und dennoch: Gewonnen ist mit dem Rückzieher der Superklubs und dem Scheitern des elitären Projekts noch nichts. Erstens, weil solche Machtworte immer Momentaufnahmen sind und die (Fußball-)Welt in ein paar Jahren, wenn das Ausmaß der Corona-Jahre sichtbar wird, wieder ganz anders aussehen kann. Und zweitens, weil die Gier, vor allem, wenn sie von Ölscheichs ausgeht, oftmals kein Ende kennt. Bleibt nur zu hoffen, dass die deutsch-französische Achse auch im Sport erhalten bleibt und die anderen ihre Lektion gelernt haben.