Wir werden das Lamento noch oft hören - hunderttausendfach in den Äther geblasen als heiße Luft selbsternannter Fußballexperten. Die Botschaft nämlich, wie dumm doch die Uefa sein muss, just in einer Pandemie eine Fußball-EM quer über den Kontinent und darüber hinaus (Baku), in zwölf verschiedenen Städten anzusetzen und dann auch noch darauf zu bestehen, dass jedenfalls Zuschauer in den Stadien zugegen sein dürfen.

Nun denn, im heutigen Wissen würde wahrscheinlich niemand mehr auf die Idee kommen, zum 60. Jubiläum paneuropäische Spiele aufzusetzen, die der Horror eines jeden Epidemiologen sind. Doch als 2012 der Plan der Kontinental-EM erkoren ward, hätte es nur eine einzige Alternative dazu gegeben - nämlich eine EM in der Türkei. Man kann heute noch dankbar sein, dass der in Ungnade gefallene Ex-Uefa-Boss Michel Platini den Weitblick hatte, uns vor Islam-Nationalismusfestspielen à la Recep Tayyip Erdogan zu bewahren. Dass die Euro 2020 vom europäischen Fußballfest zum Corona-Fiasko werden würde, konnte damals niemand ahnen. Mit dem heutigen Wissen hätte man wahrscheinlich auch gar nicht um ein Jahr verschoben (weil man 2021 volle Normalität erwartete), sondern angesichts der damals im Vergleich zu heute niedrigeren Infektionszahlen gleich im Spätsommer 2020 gespielt.

Dass erst nun, keine 50 Tage vor Anpfiff der ersten EM-Partie, endgültig die elf Ausrichterstädte feststehen, ist gewiss kein Ruhmesblatt, jedoch wiederum der Pandemie samt der Hoffnung auf mehr Möglichkeiten geschuldet. Vorwurf soll das keiner sein. Nach dem Finale am 11. Juli werden sowieso wieder alle g’scheiter sein.