Der am Mittwoch vom "Kicker" verkündete Abgang von Jesse Marsch nach Leipzig ist zunächst ein Verlust - nicht nur für Dauer-Meister Salzburg, sondern auch für die österreichische Bundesliga insgesamt. Der US-Amerikaner hat mit seinem Feuer, seiner Fußball-Leidenschaft und seinem sympathischen Auftreten für viele Lichtblicke und bleibende Eindrücke ("Das ist kein fucking Freundschaftsspiel!" bei der 0:3-Pausenpredigt in Liverpool) gesorgt.

Auch wenn seine eigenen Coaching-Aspekte dem Gemeinwohl der Bullen-Pressing-Philosophie untergeordnet waren und man daher - abgesehen von der Motivationskunst und der ständigen Integration weiterer Talente - die typische Marsch-Handschrift in den zwei Jahren nicht so wirklich sah, so ist der bevorstehende Wechsel zum letztjährigen Champions-League-Halbfinalisten jedenfalls auch eine Auszeichnung für den heimischen Klubfußball. Hier wird - natürlich alles irgendwie mit rot-weißer Dosenvergangenheit - auch auf Trainerebene gut gearbeitet. Die Ex-Salzburger Adi Hütter, Marco Rose, Oliver Glasner (Co) und jetzt Marsch zählen zu den derzeit heißesten Aktien am deutschen Trainermarkt; auch Peter Stögers Wirken hat man in Köln noch nicht vergessen, und Ralph Hasenhüttel geht in Southampton erfolgreich seinen Weg, der ihn für höhere Aufgaben in der Premier League empfiehlt.

Der Wechsel von Marsch nach Sachsen, der eigentlich eine Rückkehr ist, zumal sich der 47-Jährige dort vor drei Jahren als Co-Trainer seine ersten Sporen in Europa verdiente, bringt freilich auch eine Premiere. Zwar hat "Ausbildungsverein" Salzburg an die große Schwester RB Leipzig mittlerweile schon 18 Spieler abgeliefert, Trainer bisher aber noch keinen einzigen. Da trifft es sich gut, dass für Marsch keine vertraglich fixierte Millionenablöse definiert worden war - das wird sich nun sicher ändern.