Zweieinhalb Monate sind es noch bis zu den Olympischen Spielen, und proportional dazu, um wie viel größer die Schritte nach Japan sind, werden die Bedenken, ob die größte Sportveranstaltung der Welt überhaupt ausgetragen werden kann, leiser - zumindest im westlichen Teil der Welt. Ein Großteil der Teilnehmer wird dann geimpft sein, in Österreich wurden am Mittwoch die ersten Dosen an Sportler verabreicht. Und warum auch nicht? Warum sollte ihnen die "Once-in-four-or-five-years-", in manchen Fällen auch "Once-in-a-lifetime"-Chance genommen werden, wo doch - wie zu hoffen ist - hierzulande tatsächlich bis Sommer "alle, die es wollen", auch eine Impfung bekommen haben werden?

Dass das nicht in allen Ländern so ist, sollte man freilich nicht vergessen. Dass auch dort in vielen Fällen Sportler jetzt schon "drankommen", verstärkt eher das Bild der Ungleichverteilung, als dass es dieses abschwächen würde.

Zudem sind die Sportler zwar die Haupt-Akteure, aber halt nicht die einzigen. Während die einen auf Biegen und Brechen an den Spielen festhalten, schwindet die Freude bei den Fans zusehends. Ausländische Zuschauer sind nicht zugelassen, wie viele inländische in die Stadien kommen dürfen, ist Gegenstand von Verhandlungen; wie viele es überhaupt wollen, eine weitere Frage. Japans Bevölkerung steht Olympia immer ablehnender gegenüber, erst am Donnerstag erklärte Tokios Gouverneurin eine Verlängerung des Notstandes für notwendig, und Experten warnen schon lange vor einem neuerlichen Anstieg der Infektionszahlen.

Das IOC wähnt sich allerdings nicht nur immun gegen Corona, sondern auch gegen solche Bedenken, womit es etwas mit anderen Sportorganisationen à la Fifa und Uefa gemein hat. Die Show muss weitergehen. Das ist nicht verwerflich. Nur dann sollte man es auch so aussprechen.