Manche Probleme hat man noch nicht gehabt ohne Handys. Zum Beispiel das mit den SMS an den Ex nach ein paar Spritzern zu viel. Hätte man sich früher noch ans Vierteltelefon gesetzt, um noch ein letztes Mal so richtig vom Leder zu ziehen? Und hätte man den Brief mit dem entwürdigenden Flehen um Wiederaufnahme der Beziehung am nächsten Tag wirklich zur Post gebracht? Eher nicht. Heute ist so etwas schnell ins Handy getippt, flugs abgeschickt und am nächsten Tag bitter bereut.

Auch auf dem Kurznachrichtendienst Twitter werden oft unüberlegte Aussagen veröffentlicht. Sie sind im schlimmsten Fall beleidigend, herabwürdigend und bedrohlich. Von Reue ist da nur selten etwas zu bemerken. Das schnelle Medium begünstigt das Vergessen beim Sender - nicht jedoch aufseiten dessen, den der Shitstorm angeht. Nun versucht Twitter, zumindest die User zu erreichen, denen es leid tun könnte, dass sie jemanden verletzen. Der Algorithmus filtert potenziell "gemeine" Tweets heraus und fragt vor dem Abschicken, ob man nicht doch noch einmal drüberlesen will.

An sich eine gute Idee. Die wird aber das toxische Klima in dem Sozialen Medium kaum verändern. Denn es sind ja nicht die dezidiert via bestimmte Worte identifizierbaren Beleidigungen, die das auslösen, sondern viel subtilere Mechanismen des Abqualifizierens, die eine Maschine nicht erkennen wird können. Außer sie fragt bei jedem Tweet, ob man sich das nicht noch einmal überlegen will.