Es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr äußere Einflüsse in der Welt des Sports wirken können - und zwar auch und vor allem im Mannschaftssport. Wo man ja eigentlich meinen möchte, dass die auf mehrere Schultern verteilte Last eine gewisse Stabilität im Teamgefüge erzeugt. Doch wie fragil solche Konstrukte mitunter sind und selbst von Sieg zu Sieg eilende Fußballmannschaften blitzschnell aus der Bahn geworfen werden können, zeigte schon vor einem Jahr der LASK. Der Punkteabzug samt öffentlicher Ächtung (nach verfrühtem Corona-Training) verfrachtete den Titelfavoriten binnen weniger Wochen von Rang eins auf vier - so etwas lässt sich nicht anders erklären, als dass hier die mentale Komponente beinhart zugeschlagen hat.

Auch die Spieler von Eintracht Frankfurt werden nicht von heute auf morgen das Kicken verlernt haben - wiewohl es nach dem verjuxten erstmaligen Champions-League-Startplatz fast so scheint. Zur Erinnerung: Vor kurzem lagen die Hessen noch komfortable sieben Punkte vor Dortmund, ehe mit dem Wechseltheater um Trainer Adi Hütter nach Gladbach (inklusive damaliger Rekordablöse von 7,5 Millionen) der unaufhaltsame Abstieg einsetzte. Bemerkenswerterweise braucht es dazu gar keine empörten Fans in den Stadien, um mit pfiffigen Unmutsäußerungen das eigene Team zu verunsichern - es reicht die virtuelle Schimpfkanonade, die jeden einzelnen Spieler zum Grübeln bringt. Dass nun Hütter, der einerseits eine Erfolgssaison zu verantworten, andererseits aber auch durch seinen ungeschickten Abgang das I-Tüpfelchen verpasst hat, den schwarzen Peter zugespielt bekommt, ist genauso unfair wie gerecht.

Unfair, weil auch der Misserfolg viele Väter hat; gerecht, weil er es nach der Aufregung um seine Person nicht geschafft hat, das Team weiter auf Kurs zu halten. Weltklassetrainer sollten sich dadurch auszeichnen, dass sie auch das meistern können.