Joachim "Jogi" Löw kennt die Mechanismen des Geschäfts gut genug, um zu wissen, was auf ihn zukommen würde. "Trifft der Trainer die eine Entscheidung, ist er ein Umfaller, trifft er die andere, stur", hatte er vor der Bekanntgabe seines EM-Kaders gesagt. Einmal der Gigl, einmal der "Jogl" sozusagen. Und natürlich werden seine Entscheidungen wieder für Diskussionen sorgen.

Zwar war es keine Überraschung, dass er Thomas Müller und Mats Hummels zwei Jahre nach der damals heftig kritisierten Ausbootung wieder zurückholte, die Erklärung ließ aber doch etwas zu wünschen übrig. Man könne aufgrund einer "speziellen (Corona-)Situation einen Umbruch auch einmal unterbrechen", sagte Löw. Doch es klang fast so, als sei er selbst nicht überzeugt, dass dieser Umbruch wirklich als Erfolgsgeschichte in die DFB-Historie eingegangen ist.

Nach der desaströsen WM 2018, als der amtierende Weltmeister in der Vorrunde rausflog, schaffte es Deutschland nicht mehr zu alter Stärke. Und dass einst vielgelobte Spieler wie Julian Draxler jetzt nicht mehr dem Kader angehören; stattdessen etwa Christian Günter fast sieben Jahre nach seinem bisher einzigen Länderspiel ebenso wie Müller und Hummels nominiert wurde, kann durchaus auch als Beleg für die Brüchigkeit des Fundaments angesehen werden.


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Löws EM-Kader
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Für all diese Entscheidungen gibt es freilich Argumente, speziell Müller und Hummels können dem Team sowohl von ihrer Klasse als auch ihrer Persönlichkeit her weiterhelfen - und damit auch Löw. Schließlich will jener Mann, der seit 17 Jahren beim DFB, seit 15 als Bundestrainer, werkt und 2014 den WM-Titel geholt hat, als "Jogi" und nicht als "Jogl" in Erinnerung bleiben.