Wer die Dokumentation "The Other F Word" gesehen hat, ist um eine schlichte, doch rührende Erkenntnis reicher: Dass auch Punk-Rocker den Löffel nicht gern früh abgeben. Spätestens mit dem Kindersegen (das F steht für "Father") hängen viele die Exzesse an den Nagel. Das Verständnis der Fans hält sich nur leider in Grenzen: Die wollen Idole, die auf ewig Sex, Drugs & Rock’n’Roll frönen, meinte einer der Punk-Papas 2011.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Zehn Jahre später scheint dieses Rollenbild zu wackeln. Nicht, weil sich die Welt vermehrt um das Leibeswohl dieser Bühnenmannen sorgt. Sondern weil der Moraldruck der Sozialen Medien allmählich auch sie in die Pflicht nimmt. Bisher vielleicht einmalig: Ein Sänger rückt, ohne amtlichen Befehl, zum Drogentest aus. Damiano David hat dies angekündigt, nachdem er mit der Band Maneskin den Song Contest gewonnen hatte. Videobilder zeigten ihn bei der Feier über dem Tisch hängend, prompt setzten Spekulationen ein. "Ich nehme keine Drogen", sagte er und will den Koksvorwurf vom Tapet fegen.

Nun sollen Drogen an dieser Stelle weder verharmlost noch verherrlicht werden. Es fragt sich aber schon, was die Sittenwächter aus dem Netz als nächstes an der Rockmusik monieren. Dass ihre Lautstärke die Ohren ruiniert? Dass die Konzerte Aggressionen verstärken? Dass die Texte Gefühle verletzen? Falls es so kommt, steht die Rockwelt vielleicht wirklich nimmer lang. Andrerseits: Vielleicht erlebt sie auch gerade darum ein Comeback. Weil sich Rock ja vor allem einem verdankt: Protest gegen eine moralinsaure Welt.