Als Zuschauer des Champions-League-Finales konnte man sich nur noch wundern. Nicht so sehr (aber natürlich auch) über die verpuffte Offensivpower von Pep Guardiolas ManCity, das nach dem 0:1 gegen Chelsea weiter dem ersehnten Titel hinterherlaufen muss, sondern vor allem über das Verhalten der Fans. Denn nachdem sich schon Horden britischer Fans in Porto genauso benahmen, wie man es von britischen Fans vor der Pandemie her kannte - nämlich mit Alkohol, Gesängen und Verzicht auf jegliche Anstandsregeln in der Öffentlichkeit -, setzte sich Letzteres bei den zugelassenen 16.5000 Fans im Drachenstadion nahtlos fort: Auf dem Papier galten Corona-Abstandsregeln, gesperrte Sitzplätze und natürlich Mund-Nasen-Schutz - was in der Praxis davon zu halten war, konnte jeder sehr gut sehen. Nämlich de facto nichts. Dabei galt das Finale der Königsklasse als Probegalopp für die nahende Paneuropa-EM (11. Juni-11. Juli), die in Pandemiezeiten besonders herausfordernd wird. Oder wie versprach jüngst Uefa-Boss Aleksander Ceferin? "Wir werden keine Risiken eingehen!"

Dies sagte er vor allem Richtung der skeptischen Ausrichterstädte, die mehr oder weniger gezwungen wurden, Zuschauer in den Stadien zuzulassen, weshalb ein strenges Anti-Corona-Konzept erlassen wurde: mit Eintrittstests, Maskenpflicht und Kontaktlos-Jubel. Dass die (ohnedies bescheidenen) Fanmassen dann aber niemand bändigen kann - in und außerhalb der Arena - ist nun Fakt, weshalb wohl in so manchem Gastgeberland die Alarmglocken schrillen werden.

Auch wenn man nun einwenden kann, dass die Dinge ja großteils im Freien passieren, die Fans (hoffentlich korrekt) getestet oder geimpft sind - es ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer. Sollten irgendwo die Infektionszahlen hochschnellen, wird der Fußball die Schuld tragen. Ob zu Recht oder nicht, ist dann irrelevant.