Bekanntlich ist die sogenannte "Spanische Grippe" nie aus Spanien gekommen. Sie entstand in den USA, wurde aber in Spanien dokumentiert und kostete Millionen Menschenleben. Klar, das macht nicht beliebt.

Bei Corona ist es ähnlich. Um zu verhindern, dass die Varianten des Coronavirus negative Stimmungen auf die vermeintlichen Herkunftsländer übertragen, will die Weltgesundheitsorganisation WHO nun andere Namen forcieren. Sie nimmt Buchstaben des griechischen Alphabets für die Bezeichnung der Corona-Varianten, die sie als "besorgniserregend" einstuft.

So heißt die zuerst in Großbritannien aufgetauchte Variante B.1.1.7 nun Alpha. Die in Südafrika entdeckte Variante B.1.351 wird zu Beta, die in Brasilien nachgewiesene Variante P.1 wird Gamma und die zunächst in Indien gefundene Variante B.1.617.2 wird Delta. Die Variante, die jüngst in Vietnam entdeckt wurde, ist noch nicht erfasst.

Da die wissenschaftliche Nomenklatur kompliziert ist, ist es verständlich, dass die Menschen griffigere Begriffe gebrauchen. Fakt ist aber auch, dass dies mitunter rassistische Tendenzen verstärken kann. Wenig hilfreich war in diesem Zusammenhang auch der Begriff "China-Virus", den der vorherige US-Präsident forcierte, um bewusst die Schuld an den katastrophalen Folgen auf andere zu schieben. Wie auch immer: Auch die neuen Namen werden die Debatte um den Ursprung der Krankheit nicht stoppen. Hier sind alle offenen Fragen penibel zu klären.