Friederike Mayröcker, die größte Dichterin der deutschen Sprache seit Else Lasker-Schüler, ist tot. Zeit, sie zu ehren.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

Jeder kann das. Wer keinen ihrer Gedichtbände zur Hand hat, um in ihm zu lesen, kann einige ihrer Werke ergoogeln. Aber solche Ereignisse . . . - nun: Solche Ereignisse sind es, die vielleicht nach einem anderen Zugang verlangen.

Wie wäre es, selbst ein Gedicht zu wagen? Sich in das eigene Sprachabenteuer zu stürzen, das ist die reine Freude. Und jeder, absolut jeder, kann sie sich bereiten. Kein Reimlexikon zur Hand? - Umso besser! Das macht erfinderisch.

Bedenken, dass keine Mayröcker, kein Artmann, kein Brecht und kein Goethe daraus wird? Nichts für die Ewigkeit? Völlig egal!

Und Dichter, die sich hinsetzen, um für die Ewigkeit zu schreiben (es gibt sie), sind die schlechtesten von allen. Das kann jeder selbst besser.

Kein Thema gefunden? Ausrede! Aus dem Fenster blicken. Spazierengegangen? Mit dem Fahrrad gefahren? Die Welt ist voller Poesie. Dichter sind Dichter nicht nur der Sprache wegen, sondern auch, weil sie schauen können.

Wer Vers und Reim nicht wagen will, kann ein Haiku versuchen: Zuerst fünf Silben, dann folgen deren sieben, fünf bilden den Schluss. (Das war schon eines.) Die deutsche Schreiblehrerin Amelie Fried rät, jeden Tag ein Haiku zu schreiben über irgendetwas, das einen Eindruck hinterlassen hat. So erschafft man für sich selbst eine poetische Welt.

Zu welchem Nutzen? - Zum Nutzen der Freude daran!