Da versteht jemand etwas davon, die Wünsche des Publikums zu antizipieren: Denn was wäre besser zur Feier des Kulturneustarts nach den Corona-Lockerungen geeignet als die "Ode an die Freude", wie sie am Sonntagabend vor dem Wiener Schloss Belvedere vor immerhin 500 Gästen über die Bühne ging.

Konzerte mit hunderten Gästen (zwar Outdoor, aber immerhin) das war vor wenigen Wochen noch völlig undenkbar. Man denke daran, dass das Land Ostern noch im Lockdown feiern musste. Jetzt nimmt die Kultur wieder richtig Fahrt auf. Einen wahren Premierenreigen lassen etwa die Theater nach Monaten des Wartens auf das Publikum los. Und die Terminkalender füllen sich, müssen doch noch Veranstaltungen vom November nachgetragen werden.

Man hat das Gefühl, die Kultur will die Gunst der Stunde nutzen. Immerhin hat niemand eine Glaskugel und es muss uns nur eine Mutation auf dem falschen Fuß (oder Impfstoff?) erwischen und wir können das Kulturprogramm wieder digital genießen. Da will natürlich jeder sein Ding möglichst rasch durchziehen. Es tut gut, zu sehen, dass sich viele auch von den immer noch kommerziell schmerzhaften Auflagen nicht abschrecken lassen. Eine durch die Vorgaben drastisch reduzierte Auslastung muss man sich erst einmal leisten können. Und dennoch hat man das Gefühl, dass nicht nur der bescheidene Gewinn lockt, sondern dass die Künstler so rasch als möglich wieder ihre Kunst zeigen wollen. Darauf haben wir lange gewartet.