Verpatzte Generalprobe, gelungene Aufführung? Wenn es danach geht, hat Österreichs Fußball-Nationalmannschaft für die EM kaum etwas zu befürchten. Das 0:0 gegen die Slowakei war nicht unbedingt das, was man sich in puncto "Selbstvertrauen Tanken" erhofft hatte. Genau genommen gibt es keinen realistischen Grund anzunehmen, dass das ÖFB-Team jetzt besser wäre als jenes bei der EM 2016. Doch genau darin liegt vielleicht eine Chance. Auch wenn ÖFB-Chef Leo Windtner davon spricht, dass "die Erwartungshaltung klar formuliert" sei, "nämlich bei einer Europameisterschaft das erste Mal wirklich zu reüssieren", ist der einzige Druck "der in den Daumen", wie es Bundespräsident Alexander Van der Bellen bei der Verabschiedung formulierte.

Ganz anders freilich die Situation bei den Deutschen: Die legten die Latte selbst mit dem 7:1 gegen Lettland im abschließenden Test am Montag noch höher, als sie es ohnehin schon ist - zumal es das letzte Turnier von Joachim Löw ist und es damit auch um sein Erbe geht. Vom Nimbus einer Turniermannschaft, die sich immer dann steigert, wenn es nötig ist, haben sich die Deutschen ohnehin spätestens mit dem blamablen Vorrundenausscheiden bei der WM 2018, als man im letzten Gruppenspiel gegen Südkorea mit 0:2 verlor, verabschiedet. Die neuen, alten Kräfte wie Mats Hummels und Thomas Müller können der Mannschaft Stabilität geben - sie erledigten ihre Aufgabe auch am Montag gut -, gänzlich abgeschlossen ist ihre Re-Integration aber noch nicht. Und sollte irgendetwas schief gehen, wird dies mit Sicherheit als Faktor angesprochen werden - ähnlich wie die Personalentscheidung von Franco Foda. Mit dem Unterschied, dass er und seine Auserwählten kaum etwas zu verlieren haben.