Als Binnenlandler tut man sich leicht. Oder auch schwer. Je nachdem, welche Perspektive man einnehmen will. Man tut sich leicht, die Erwärmung der Meere zu ignorieren - ist ja keines in der Nähe. Oder man tut sich schwer, sich in die Veränderung der Natur einzufühlen - man erlebt sie ja nicht in unmittelbarer Umgebung.

Nun hat der WWF zum Internationalen Tag der Meere in einem Bericht auf etwas hingewiesen, das sogar salzwasserferne Österreicher aufmerken lassen müsste: Am stärksten ist demnach das Mittelmeer von der Erwärmung betroffen. Hier steigen die Temperaturen um 20 Prozent schneller als im Durchschnitt aller Weltmeere. Der Spruch von der Adria als Badewanne des Österreichers kann da schon einmal auf unschöne Weise wahr werden.

Denn es bleibt ja nicht dabei, dass es weniger fröstelt, wenn man das Zecherl ins Wasser hält. Das hat ja Folgen für die Natur. Es ist im Meer wie an Land: Die Wärme zieht gebietsfremde Arten an, das geht zu Lasten der "eingeborenen". Manche Muscheln sind bereits jetzt fast zu 100 Prozent ausgestorben, etwa die Große Steckmuschel. Dass Korallen die neue Entwicklung nicht überleben, ist bereits schmerzvoll bekannt. Apropos schmerzvoll: Wenn einen schon nicht kümmert, dass die Biodiversität des Mittelmeeres perdu geht, dann überzeugt vielleicht dieses böse Wort vom notwendigen Schutz der Meere: Qualleninvasion! Mit einer solchen ist nämlich zu rechnen. Wer will die schon in seiner Badewanne!