Österreichs Team hat bei der EM gegen Nordmazedonien Geschichte geschrieben, das lässt sich nicht leugnen - und das soll man auch nicht leugnen: Erstes Spiel bei einer Endrunde mit mehr als einem erzielten Tor, erster Sieg überhaupt - zudem eine charakterlich starke Leistung in der zweiten Hälfte gegen eine Mannschaft, die es einem wahrlich zunächst nicht einfach machte. Das steht auf der Habenseite. Und man will ja nur ungern der Spielverderber sein. Doch wenn Marcel Sabitzer, der mit seiner Mustervorlage das 1:0 durch Stefan Lainer einleitete, sagt, er hoffe, dass man mit dem 3:1-Sieg gegen Nordmazedonien "Euphorie ins ganze Land" gebracht habe, kann man nur entgegnen: Hoffentlich nicht.

Natürlich hat sich die Nationalmannschaft jegliche Unterstützung verdient, und auch der Aufstieg ist alles andere als unmöglich. Doch jetzt schon davon zu reden oder gar von mehr zu träumen, wäre einigermaßen vermessen.

Denn der Erfolg gegen Nordmazedonien war nicht mehr - aber auch nicht weniger - als ein Pflichtsieg, will man bei der EM weiter eine Rolle spielen. Und er war beileibe nicht so einfach, wie das Resultat suggeriert.

Vor dem Führungstreffer tat sich die Mannschaft mit der Umstellung auf eine neue Variante auf der einen Seite, mit den gut organisierten Nordmazedoniern auf der anderen Seite sichtlich schwer - auch danach offenbarte die Elf von Franco Foda einige Schwächen, wie man beim 1:1 gut sehen konnte. Angesichts der Verwirrung, die dabei in der Abwehr herrschte, ist es müßig darüber zu debattieren, ob das Tor wegen eines etwaigen Fouls an Tormann Daniel Bachmann vielleicht nicht ganz regulär erzielt wurde oder doch.

Dass man danach nachlegte - auch die Wechselspieler Michael Gregoritsch und Marko Arnautovic brachten neuen Schwung und die letztlich entscheidenden Treffer - zeugt von einer gewissen Klasse, aber auch das sollte noch nicht zu übergroßer Euphorie verleiten. Denn dass man von der individuellen Qualität her über Nordmazedonien zu stellen ist, sollte - bei allem Respekt - keine große Offenbarung sein. Dass die Mannschaft dabei auch "Moral" gezeigt habe, wie es immer wieder so schön heißt, ist jetzt ebenfalls nichts wirklich Erwähnenswertes. Denn wenn man schon dieses große Wort im Fußball gelassen aussprechen will, dann in dem Zusammenhang, dass man ohne bei einer Endrunde nun wirklich nichts verloren hätte.

Positiv ist aber, dass Foda mehrere Varianten und die Spieler dazu im Trickkisterl hat (abgesehen von den Anfangsschwierigkeiten). Gegen die Niederlande und die Ukraine wird man sich wieder etwas anderes überlegen müssen, spielen diese beiden Mannschaften doch einen gänzlich anderen Fußball, wie beim 3:2 der Oranje zu sehen war. Gegen eine offensivere Mannschaft werden sich zwar mehr Räume ergeben, Fehler wie gegen die Mazedonier darf man sich aber nicht erlauben. Ein bisserl Euphorie schadet freilich nicht. Man könnte es aber auch bei Erleichterung belassen. Denn sonst könnte bald eine ganz andere Geschichte geschrieben werden.