Das Coronavirus wird bleiben, selbst wenn der Großteil der Weltbevölkerung gegen die potenziell tödliche Krankheit Covid-19 geimpft sein sollte. Herdenimmunität macht große Infektionswellen zwar unwahrscheinlich, sie bringt Sars-CoV-2 aber nicht zum Verschwinden. Das bestätigen die meisten Experten, und sie haben recht. Denn was lernen wir aus dem Vorjahr? Über den Sommer hatten wir das Gefühl, die Pandemie sei besiegt, legten die Vorsichtsmaßnahmen ad acta und nahmen diese Sorglosigkeit mit in den Herbst. Wenn wir uns heuer wieder in einem falschen Sicherheitsgefühl wähnen, könnte es im Herbst noch einmal tragisch werden, und die Probleme beginnen schon jetzt: Trotz seines erfolgreichen Impfprogramms musste Premier Boris Johnson Pläne der vollständigen Öffnung zurücknehmen, weil die neue, hochansteckende Delta-Variante Großbritannien im Griff hat.

Um den pandemischen Würgegriff zu beenden, empfehlen Experten ein Corona-Monitoring nach dem Vorbild des weltweiten Influenza-Überwachungssystems für die jährlichen Grippewellen. Doch die Grippe ist nicht nur bekannt, sondern auch anders: Virenstämme entstehen auf der Südhalbkugel und wir stimmen Impfungen auf sie ab. Sars-CoV-2 hinken wir hinterher. Der Evolution folgend, könnten Erregerpartikel, die alle Impfdosen überleben, sich bereits zum impfresistenten Supervirus entwickeln. Nur ein hochwirksames Medikament gegen Covid-19 könnte die Pandemie beenden. Bis dahin sei vor einem sorglosen Umgang miteinander gewarnt.