Der Brexit hat Folgen, mit denen so mancher nicht gerechnet hat. Eine Arbeitsgruppe der EU hat nun gefordert, dass Film- und Serienproduktionen aus Großbritannien nicht mehr unter die Quote von europäischem Content fallen sollen, die Streamingdienste verpflichtend erfüllen müssen. Das bedeutet, dass 30 Prozent der Inhalte, die Amazon, Netflix und Co anbieten, aus Europa stammen müssen. Insgesamt ist das in der Richtlinie eher schwammig formuliert: Die Rede ist von Werken, die von in Europa ansässigen Herstellenden geschaffen oder "überwacht und tatsächlich kontrolliert" werden oder bei denen Koproduzierende aus Europa mehr als die Hälfte der Produktionskosten tragen.

Das sorgt für Vielfalt im Programm der Plattformen - bei Netflix sichtbarer als bei Amazon oder gar Disney+. Da stolpert man dann über belgische Thriller und isländische Mystery, die einem sonst nicht untergekommen wären. Nun hat Netflix aber im vergangenen Jahr sein Investment in Großbritannien stark erhöht, hunderte Millionen Pfund sind geflossen, außerdem hat Netflix die Shepperton Filmstudios gekauft. Großbritannien ist der wichtigste internationale Umschlagplatz für Netflix. Hier entstehen Serien, die zu den erfolgreichsten Hits gehören: "The Crown", "The Witcher". Es geht hier also nicht nur um Vielfalt, sondern vor allem um viel Geld. Ein Drittel der europäischen Netflix-Inhalte wird in UK produziert. Vorstellbar wäre eine Quote in der Quote - aber vorstellbar ist auch, dass Netflix da kein schmeichelweicher Verhandler für die EU sein wird.