Kürzlich hat eine Umfrage in Deutschland für Aufregung gesorgt. Bei einer Befragung des Allensbach-Instituts kam heraus, dass 44 Prozent der Deutschen finden, sie könnten ihre Meinung nicht mehr frei äußern. 45 Prozent fanden, das könne man schon. Der genaue Wortlaut der Frage war: "Haben Sie das Gefühl, dass man heute in Deutschland seine politische Meinung frei sagen kann, oder ist es besser, vorsichtig zu sein?"

Für Aufregung sorgte eher, wie die "Bild"-Zeitung damit umging: Sie forderte Leser auf, zu berichten, was sie sich nicht mehr zu sagen trauen. Flugs wurde die Aktion in den Sozialen Medien aufgegriffen und ins Lächerliche gezogen. Interessant, dass von jenen, die diese 44 Prozent verhöhnen, niemandem auffällt, dass man ihnen damit eigentlich Recht gibt. Wenn fast die Hälfte der Bevölkerung diesen Eindruck hat, kann man schon von einem eher weitreichenden Phänomen sprechen. Nun ist ein wesentlicher Teil der Meinungsfreiheit, dass man auch mit Widerspruch leben muss. Das gilt aber für beide Seiten. Das vergisst jede Seite ganz gern. Das macht Diskurs heutzutage mitunter recht ermüdend.

"Vorsichtig" kann man gar nicht genug sein, wie eine Episode um Popsängerin Billie Eilish zeigt: Sie erhielt nun einen Shitstorm, weil ein Video auftauchte, in dem sie einen rassistischen Spruch klopft. Damals war sie gerade einmal 13 Jahre alt. Da machen andere noch ganz anderen Blödsinn. Eilish hat sich dafür entschuldigt. Es kann manchmal so einfach sein.