Der deutsche Adler ist gerupfter als ein bratfertiges Huhn. England hat Jogi Löw besiegt, als wäre der Leu ein zweiter Napoleon bei Waterloo. Die Fußball-EM kennt nur einen strahlenden Sieger: Österreich.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

So hört es sich an, und so liest es sich. Mit Sport freilich hat das nichts mehr zu tun.

Sport war das Spiel Deutschland-England. Sport waren die beiden Tore der Engländer. Sport waren auch die Freude der englischen Mannschaft und die Bitterkeit der deutschen Mannschaft.

Was sich bei manchen österreichischen Kommentatoren abspielt und auf den Seiten in den sozialen Medien, ist nicht Sport, sondern Ausdruck von Hass auf unsere westlichen Nachbarn.

Männer, deren größte sportliche Leistung des Abends darin bestanden hat, das Chipspackerl aufgerissen zu haben, brechen in ein Triumphgeheul aus, als wären sie selbst die Torschützen.

Wir sind England! Deutschland zu sein, haben wir schließlich schon einmal versucht. War nicht so toll.

Aber im Ernst: Dieses Siegesgeheul eines Unbeteiligten ist grotesk. Es ist geschmacklos. Es ist widerlich und charakterlos. Jeder, der dergleichen postet, sollte in sich gehen und überprüfen, was er macht. Denn der österreichische Deutschenhass verebbt spätestens, wenn Hans Peter mit seiner Ute und den Kindern Urlaub im schönen Österreich machen.

Wenn man sich da nur nicht doch einmal schneidet. Denn selbst ornithologiefernen Personen müsste klar sein, dass gerupfte Adler nicht fliegen.