Wir haben die Erkenntnis in den vergangenen Jahren sozusagen auf dem Silbertablett serviert bekommen: Filterblasen in den Sozialen Medien verhindern, dass Menschen konstruktiv miteinander diskutieren. Brexit, Klimawandel, Corona-Maßnahmen: Katastrophen von großem Ausmaß sind so nicht mehr in den Griff zu bekommen, warnt ein Forscherteam. Übeltäter sind dabei Algorithmen, die den Diskurs so steuern, dass er ein Maximum an Werbung anzeigen kann. Je länger sinnlos diskutiert wird, desto lukrativer für das Unternehmen.

Ein Team der Universitäten Stockholm, Graz und Wien untersuchte mit einem mathematischen Modell, wie man gegen solche Filterblasen vorgehen könnte. Gerade bei Probleme, die in Pro und Contra polarisieren, versucht der Algorithmus die Gruppen möglichst lange in Konfrontation zu halten. Die "Filterblasen" behindern effektiv jeden Diskurs. Die Mitglieder der beiden Gruppen mit jeweils recht einförmigen Ansichten bestärken sich gegenseitig in ihrer Meinung. Sie teilen selektiv Informationen untereinander, die zu ihrem Weltbild passen und blenden gegenteilige Argumente und Fakten aus.

Ein sachlicher, lösungsorientierter Diskurs ist so unmöglich.

Das Problem ist also bekannt. Die Grundfrage ist nun: Wie lange werden wir als Gesellschaft noch dabei zuschauen, wie wenige US-Konzerne aus reiner Profitgier den politischen Prozess behindern, durchaus auch in Europa? Sie schüren Hass und verunmöglichen Versöhnung. Es besteht eindeutig Handlungsbedarf.