Zum Thema "Alice im Wunderland" fällt einem ja allerlei ein. Der verrückte Hutmacher. Die Grinsekatze. Der hektische Hase. Und vielleicht auch der gleichnamige Jazz-Walzer, den Bill Evans wohl am schönsten gespielt hat.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Christoph Irrgeher.

Was einem "Alice" aber nicht in den Sinn ruft, das sind: Klingonen. Die hausen ja auch nicht im Märchenkönigreich von Lewis Carroll, sondern im Science-Fiction-Kosmos von "Star Trek". Berüchtigt für ihr Temperament, greifen sie im Konfliktfall ziemlich rasch zu Hilfsmitteln wie Schwert, Messer und, piu, piu!, Disruptor.

Doch die Recken mit der Runzelstirn sind auch für ein immaterielles Kulturgut bekannt, nämlich ihre Sprache. "Star Trek"-Nerds haben dieses bizarre Idiom aus Zungenbrechern und Kehlkopflauten entwickelt, und sie arbeiten nun daran, Literaturklassiker ins Klingonische zu übertragen. Wie eben die erwähnte "Alice". Das Buch soll im Herbst unter dem Titel "QelIS boqHarmey" erscheinen, kündigte Sprachspezialist Lieven L. Litaer an. Der hat viel Liebesmühe darauf verwendet, Carrolls Wortspiele ins Außerirdische zu übersetzen - und auch schon Erfahrung, hatte er davor doch den "Kleinen Prinzen" klingonisiert.

Eine kinderfreundliche Auswahl, die natürlich schon verwundert. Wären klingonische Gemüter nicht besser bedient mit, sagen wir, "Krieg und Frieden" und "Nibelungenlied"? Aber wer weiß. Vielleicht soll in politisch-korrekten Zeiten ja ein sanftes Klingonen-Image auf Erden kultiviert werden. Insofern nicht verwunderlich, würde in Bälde "Mary Poppins" folgen. Oder "Komm, sagte die Katze".