Roman Mählich ist nicht nur ORF-Experte, der Mann, der einst in der goldenen Ära von Sturm im Grazer Mittelfeld kickte, hat auch Ideen für die Weiterentwicklung des Fußballs. Eine davon ist die Abschaffung von Verlängerungen bei großen Turnieren, für die er während dieser Euro mehrmals plädierte. Stattdessen, so Mählich, sollte es nach 90 Minuten direkt ins Elfmeterschießen gehen. Konkrete Überlegungen in diese Richtung gibt es zwar bei den großen Verbänden aktuell nicht, Experimente, wie der Sieger gekürt werden soll, wenn es nach 90 Minuten eben keinen gibt, wurden aber bereits mehrere durchprobiert: Golden Goal, Silver Goal, alles schon gehabt - und (aus Gründen) bald wieder zu den Akten gelegt.

Die Idee, auf die Verlängerung zu verzichten, hat freilich durchaus etwas für sich: Nahezu alle Sportarten streben danach, ihre Wettkämpfe kompakter und kürzer zu gestalten, um gewisse Ermüdungssymptome im Keim zu ersticken - bei den Zuschauern wie auch bei den Spielern. Abgesehen davon, dass man seit dem Achtelfinale gegen Italien aus österreichischer Sicht eh grad nicht gut auf die Zusatzminuten zu sprechen ist, wollen schließlich alle irgendwann einmal schlafen gehen.

Übermüdete Kicker, die sich nach einer langen Saison und einem langen Spiel nur noch auf dem Rasen wälzen, ehe sie vom Platz humpeln, will ebensowenig jemand sehen wie lustloses Ballherumgeschiebe von Akteuren, die nur auf den Lucky Punch warten und sich ansonsten mehr schlecht als recht ins Elfmeterschießen retten wollen. Die Verlängerung im ersten Semifinale zwischen Italien und Spanien (1:1 n.V., 4:2 i.E.) war freilich das Gegenteil davon - und hat vielleicht auch dazu beigetragen, dass die Spanier nach dem durchwachsenen Turnierstart samt Kritik an Trainer Luis Enrique, der nun als Held gefeiert wird, die Heimreise mit Stolz antreten, wie selbst im Augenblick der Enttäuschung alle beteuerten und die für gewöhnlich nicht zimperlichen Medien im Land des Ex-Europa- und -Weltmeisters am Tag darauf einhellig bestätigten.

Zudem ist es spannend zu sehen, wie die Trainer sich und die Mannschaft taktisch und personell auf die Extrazeit einstellen, die wiederum ganz eigenen Gesetzen folgt. Diese Facette des Fußballs würde bei einer Abschaffung verloren gehen, stattdessen würden sich (noch mehr als jetzt) Elfmeterspezialisten herauskristallisieren. Gerade spielerisch limitierte Mannschaften würden erst recht danach trachten, irgendwie ins Elfmeterschießen zu kommen.

Doch zurück zu Italien und Spanien: Dass diese Verlängerung, in der die Iberer die (bis auf das Österreich-Match) bisher unangefochten scheinenden Italiener mehrmals taumeln ließen, dann doch in einem Elfmeterschießen mündete, in der die Azzurri einen Gianluigi Donnarumma und das bessere Ende für sich hatten, war halt (auch) Pech. Dennoch wird sich wohl die Mehrheit der (Top-)Fußballer für die Möglichkeit entscheiden, doch noch aus dem Spiel heraus ein Tor zu erzielen, als sich gleich der Elferlotterie auszusetzen. Wenn man diese Wahl hat, nimmt man vielleicht doch eher die Qual.