Steigende Zahlen an Coronavirus-Fällen, Rücktritte wegen Sexismus und Mobbing, Absagen anderer Politiker: Die Sommerspiele in Japan drohen zu einem Fiasko zu werden. Da kommt es wie Hohn daher, dass ausgerechnet jetzt das olympische Motto Zuwachs bekommt. Künftig heißt es nicht mehr nur "schneller, höher, stärker", sondern "schneller, höher, stärker - gemeinsam". Diese ursprünglich von IOC-Präsident Thomas Bach vorgeschlagene Erweiterung beschloss die
138. Session des Internationalen Olympischen Komitees am Dienstag in Tokio. Die olympische Charta wird nun entsprechend geändert. Das bisherige Motto (Latein: "citius, altius, fortius" - neu: "citius, altius, fortius, communiter") geht auf einen Vorschlag von Pierre de Coubertin, den Gründervater der modernen Olympischen Spiele zurück. Bach begründete seine Idee zur Änderung des Mottos mit einer stärkeren Verpflichtung zu mehr Solidarität. Niemand könne die Herausforderungen der modernen Welt mehr alleine bewältigen, hatte der 67-Jährige erklärt.

Damit hat er freilich nicht unrecht. Und doch kommt man nicht umhin, dies als hohle Phrase zu betrachten. In der Coronavirus-Pandemie hat sich Japan zwar gut gehalten, die Zweifel aber mehrten sich schon im vergangenen Jahr, ob die Zahlen nicht nur geschönt worden waren, um Olympia doch noch irgendwie, irgendwann abzuhalten. Nun
ist es also so weit - doch die Bevölkerung ist es noch lange nicht.

Nach wie vor wird Olympia von einer Mehrheit der Japaner aus Sorge vor einer weiteren Verbreitung von Sars-CoV2 abgelehnt; und diejenigen, die gerne dabei wären, dürfen es ohnehin nicht sein. Die Athleten, die jahrelang für dieses Ziel trainieren, verdienen volle Unterstützung. Doch der "Gemeinsam"-Slogan ist blanker Zynismus.