"Meine Sorge ist, dass sich am Ende herausstellt, dass Kultur für unsere Regierung nicht mehr ist als etwas, das man ganz nett findet." Und nicht als etwas Notwendiges, das will Andrew Lloyd Webber damit sagen. Der Musical-Komponist ist zur Speerspitze der vom erratischen Corona-Kurs von Boris Johnsons Administration gebeutelten britischen Kulturszene geworden.

Kürzlich gab er sich noch kämpferisch und wollte die Premiere seines neuen Stücks "Cinderella" Ende Juni durchziehen, auch wenn er dafür ins Gefängnis müsse - Lockerungen der Virusverbreitungsmaßnahmen wurden damals verschoben, Theater mussten geschlossen bleiben. Er machte einen Rückzieher, weil er befürchtete, dass seine ganze Crew dann die Konsequenzen tragen müsse. Den neuen Premierentermin diese Woche konnte Lloyd Webber dann aber wieder nicht einhalten: Ein Ensemblemitglied wurde positiv auf Corona getestet, durch die notwendige Selbstisolation (in der sich übrigens derzeit auch Johnson befindet) ist das ganze Ensemble außer Gefecht gesetzt. Der "Freedom Day", wie die Lockerungen überschwänglich genannt wurden, wurde für Lloyd Webber zum "Closure Day".

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der freizügige Umgang mit Stadionbesetzungen während der Fußball-EM nun dazu geführt hat, dass die Bereiche, die sich nie einen freizügigen Umgang leisten konnten, wieder heruntergefahren werden. Diese Kurzsichtigkeit wird aber womöglich nicht nur Großbritanniens Kultur schaden.