Olympia, das hat nicht nur wegen des Rückgriffs auf die griechische Antike immer auch etwas mit kleineren bis mittleren Tragödien und großen Heldenepen zu tun. Und Heroen brauche auch der österreichische Sport, sagte unlängst Helmut Baudis, der Generalsekretär des heimischen Leichtathletik-Verbandes (ÖLV). "Und sie müssen auch etwas verdienen dürfen." Also hat der ÖLV schon einmal Rekordprämien für den Erfolgsfall ausgelobt. Für den Gewinn einer Goldmedaille gibt es 205.000 Euro, einer Silbernen 100.000 und einer Bronzenen immer noch 50.000 Euro. Und sollte keiner der ÖLV-Athleten Edelmetall abstauben, bekommt der Beste immer noch 17.500 Euro.

Das ist würdig und recht, schließlich haben alle Sportler, die bei Olympia antreten - aus Österreich sind es 75 - , selbst viel Geld, Schweiß, Tränen und Zeit investiert, um überhaupt an die Spitze zu kommen. Und ohne Spitze keine Vorbildwirkung und damit Breite. Umgekehrt gilt aber freilich dasselbe. Insofern kann man sich schon fragen, ob das Geld nicht noch besser in die Förderung einer nachhaltigen Infrastruktur, den Nachwuchs und dessen Trainer investiert wäre.

Unfair darf man aber nicht sein. In etlichen Bereichen hat sich diesbezüglich schon etwas getan in den vergangenen Jahren. Corona hat aber viele der längst notwendigen Entwicklungen wieder gestoppt oder zumindest gebremst. Ein großes Vereinssterben, das zu Beginn der Krise befürchtet worden war, ist zwar empirisch - noch - nicht nachweisbar, aber halt auch alles andere als ausgeschlossen. Wer weiß, was passiert, wenn die Quelle der Corona-Hilfsgelder versiegt? Was, wenn die für den heimischen Sport unerlässlichen ehrenamtlichen Tätigkeiten nicht nur wegen bürokratischer Hürden, sondern auch einer möglicherweise neuen Situation am Arbeitsmarkt immer schwieriger zu bewerkstelligen sein werden, oder wenn der Wettkampfkalender im Nachwuchs- und Breitensport einen weiteren Herbst über durcheinandergewirbelt wird? Die neuen Virusmutationen, die verstärkte Reisetätigkeit, die Wiederaufnahme des Schulbetriebs und die Tatsache, dass viele Kinder und Jugendliche dann noch immer nicht geimpft sein werden, lassen eher Düsteres für die kommenden Monate erahnen. Dass auch der Sport darunter leiden wird, kann jetzt schon befürchtet werden - und das, obwohl Studien der Dachverbände zu dem Ergebnis gekommen sind, dass Bewegung für den Einzelnen während der Pandemie an Relevanz gewonnen hat. Viele wollen sich fit halten, ihr Immunsystem stärken oder einfach einen Ausgleich für das mitunter monatelange Ausharren in den eigenen vier Wänden haben.

Noch hat sich dieses individuelle Bedürfnis aber nicht in der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Sports niedergeschlagen. Insofern hat Baudis noch einmal recht. Helden können hier schon etwas bewegen. Sie beziehungsweise ihre Geschichten sollten nur nicht sofort wieder von der Bühne verdrängt werden, wenn Olympia in wenigen Wochen vorbei sein wird - auch wenn es sich mit Geld für Gold schon ein Zeiterl leben lässt.