Schneller, höher, Corona: Täglich erreichen uns Meldungen über einen neuen Höchststand der Infektionszahlen im Olympia-Gastgeberland Japan, in Tokio und im Umfeld der Olympischen Spiele. In Japan waren es zuletzt binnen 24 Stunden erstmals mehr als 9000 Personen, die positiv getestet worden sind, in der Hauptstadt 3865, im Umfeld der Spiele 193. Das ist - gemessen an Vergleichen aus anderen Ländern und der Anzahl der Menschen - nicht allzu viel. Und doch ist die Steigerungsrate alarmierend, worüber sich aber die Überraschung in Grenzen halten sollte.

Schließlich wütet nicht nur dort die hochansteckende Delta-Variante, Ferienzeit und Olympia kommen halt erschwerend hinzu. Doch das Thema polarisiert und emotionalisiert wie kaum ein zweites - und bietet dabei einen perfekten Spiegel für die Stimmung gegenüber Olympia insgesamt. Während die Befürworter die Schutzkonzepte vehement verteidigen, sehen die Skeptiker ihre Befürchtungen, wonach die Olympischen Spiele zu einem Superspreader-Event werden könnten, bestätigt.

Und beide Seiten haben irgendwie Recht und auch wieder nicht. Tatsächlich sind die Sicherheitsmaßnahmen für die Athleten - auf die im Übrigen bis Donnerstag nur 20 der bisher bekannten Fälle kommen - äußerst restriktiv, manche meinen, vielleicht sogar ein Eitzerl zu streng. Sportler klagen über Dauerüberwachung, die den Druck, der ohnehin auf ihnen lastet, zusätzlich erhöhen würde; jene Bemitleidenswerten, die um ihren Wettkampf umfallen und in Quarantäne-Hotels festsitzen, über die "unmenschlichen Bedingungen". In den Stadien selbst kann man wiederum wohl nicht mehr tun, als erst gar keine Zuschauer zuzulassen - worauf man sich nach zähem Ringen (und einem wenig vertrauensbildenden Zickzack-Kurs verständigt hat). Andererseits regt Olympia vielleicht doch zu vermehrten Kontaktaufnahmen und Mobilität an, wie auch Gesundheits- und Sozialexperten betonen. Dazu kommt, dass manche offenbar gleicher als andere sind. Denn während die Athleten engstmaschig überwacht werden - teilweise sogar von den eigenen Teammitgliedern - gilt das für viele Personen im Umfeld, beispielsweise für Mitarbeiter von Zulieferfirmen, nur bedingt, wie auch Österreichs Ober-Olympier Karl Stoss unlängst monierte. "Das finden wir nicht korrekt und auch nicht fair", sagte er vor wenigen Tagen zu Ö1. "Gerade Menschen, die in sehr engem Kontakt mit den Athleten stehen, sollten das gleiche Prozedere durchlaufen, um uns alle gegenseitig zu schützen. Das ist ja Sinn und Zweck."

Nunja, vielleicht ist es zwar Sinn und Zweck, aber wohl nicht der einzige. Denn das Wichtigste war den japanischen Gastgebern im Doppelpass mit dem Internationalen Olympischen Komitee und so gut wie allen Nationalen Komitees, dass die Spiele überhaupt stattfinden. Auch Stoss hat schließlich nicht zu Unrecht die (wirtschaftliche) Bedeutung im Vorfeld betont.

IOC-Chef Thomas Bach wiederum hat keine Gelegenheit ausgelassen, sämtliche Bedenken überhaupt vom Tisch zu fegen - und Olympia damit eine weitere Facette an Zynismus beschert: Denn wer A wie "Ausrichten um jeden Preis" sagt, muss wohl auch C wie "Corona" akzeptieren.