Für die Mitarbeiter des ORF gibt es auch unabhängig von den Umwälzungen an der Spitze gute Nachrichten: Ab kommender Woche hat die im Zuge der Generalsanierung lange geschlossene Kantine wieder geöffnet. Auch wenn sich noch viele im Homeoffice befinden, ein weiterer Schritt zur Normalität. Ab Beginn des neuen Jahres wird nun also ein neuer Generaldirektor die Geschicke von Österreichs größtem Medienhaus lenken, zusammen mit einem Team an Direktoren und Landesdirektoren, das im September gewählt wird.

Noch zuvor stehen atypisch viele Personalentscheidungen an. Allein im Zuge der Besiedlung samt Umstrukturierung des neuen Newsrooms im Herbst werden an die 40 journalistische Führungspositionen neu besetzt. Es sind dies jene Entscheidungen, die sich direkt auf die Nachrichten des Hauses auswirken. Möglicherweise direkter als die Besetzung der Spitzenpositionen. Im Unterschied zu anderen Medien haben die Mitarbeiter des ORF bei der Bestellung hochrangiger Führungspositionen zwar ein Anhörungs-, jedoch kein faktisches Mitbestimmungsrecht. Ein starkes Redaktionsstatut, wie es viele Printmedien haben, existiert nicht. Das ist die wohl heikelste Schwachstelle in der redaktionellen Unabhängigkeit des ORF.

Der scheidende Generaldirektor Alexander Wrabetz hat angekündigt, diese Besetzungen noch selbst durchzuführen. Man darf gespannt sein, ob er hier den Konsens sucht. Im Sinne der Unabhängigkeit wäre das wünschenswert.