In Deutschland hat die politische Korrektheit den "Mohren-Apotheken" den Krieg erklärt. Auch hierzulande gibt es erste Scharmützel: "Mohren-Apotheken" müssten umbenannt werden, die Bezeichnungen seien abwertend.

"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.
"Wiener Zeitung"-Klassikexperte Edwin Baumgartner.

"Mohr" ist eine alte Ableitung aus "Maure". Als "Mohren" wurden alle dunkelhäutigen Menschen des afrikanischen Kontinents bezeichnet. Nur: Despektierlich war die Bezeichnung nicht. Dafür sprechen gerade die Apotheken.

Niemand würde eine Apotheke nach Menschen benennen, die er verachtet. Vielmehr war es so, dass man bis tief ins 19. Jahrhundert den Arabern bessere Kenntnisse bei der Arzneiherstellung zutraute als den eigenen Schröpfkopfherstellern und Knochensägeschmieden. Auch Richard Wagners Kundry bringt dem leidenden Amfortas Balsam aus "Arabia".

Der Denkfehler besteht darin, Europa die ethnischen Konflikte der US-Geschichte überzustülpen - und das obendrein auf der Basis heutigen Vokabulars: Man krallt sich an alten Bezeichnungen fest, unabhängig davon, wie sie gemeint waren. Das Wort "Mohr" ist längst außer Gebrauch - sieht man von Theaterstücken Schillers und Shakespeares und ein paar Romanen ab. Und eben von Apotheken.

Im Zusammenhang mit Apotheken kündet es vor allem davon, dass man die "Mohren" ehrte. Die Umbenennung der "Mohren-Apotheken" aus falsch verstandenen sprachlichen Gründen bewirkt nur eines: Sie löscht die Hochachtung, die man der Heilkunst der Araber entgegengebracht hat, aus dem Bewusstsein der Gegenwart.

Ist das tatsächlich gewollt?